Mit Blumen, Besen und Butterplätzchen

Die vier von der Weingartenkapelle

Verabschiedung nach 23 Jahren

Wer in den vergangenen 23 Jahren die Weingartenkapelle in Frickingen besuchte, traf dort immer auf einen liebevoll gepflegten Ort, geschmückt mit frischen Blumen, sauber gehalten und stets einladend. Verantwortlich dafür waren vier Frauen, die nun ihr Amt als Mesnerinnen und Hausmeisterinnen abgeben: Im stolzen Alter zwischen 88 und 92 Jahren ziehen sie sich aus dem aktiven Dienst zurück.
 
Dabei war ihre Arbeit weit mehr als das bloße Auf- und Zuschließen der Kapelle. Den Blumenschmuck gestalteten die vier Frauen Jahr für Jahr selbst, auch mit Blumen aus den eigenen Gärten. So fand jede Jahreszeit ihren Weg in die Kapelle und verlieh ihr einen ganz besonderen Charme.
 
Auch der Schlüsseldienst wurde gerecht aufgeteilt. Wer am jeweiligen Wochenende zuständig war, brachte nicht nur den Schlüssel mit, sondern meist auch Kekse und etwas zu trinken. Nach getaner Arbeit traf man sich regelmäßig auf der Bank vor der Kapelle, tauschte Neuigkeiten aus, lachte gemeinsam und genoss die Zeit miteinander.
 
Bemerkenswert ist dabei nicht nur die Dauer ihres Engagements, sondern auch die Harmonie innerhalb des Teams. „In 23 Jahren hatten wir nicht ein einziges Mal Streit", berichten die vier schmunzelnd. Eine Bilanz, die selbst mancher langjährigen Ehe zur Ehre gereichen würde.
 
Dass die Betreuung der Kapelle durchaus Herausforderungen mit sich brachte, zeigte sich besonders bei den Reinigungsarbeiten. Der hohe Innenraum verlangte Kreativität. Kurzerhand wurden Putzgeräte verlängert, umgebaut oder sogar selbst gebastelt. Wo andere vielleicht eine Hebebühne bestellt hätten, setzten die vier Frauen auf Einfallsreichtum und handwerkliches Geschick.
 
Ihr Amt geben sie nun nicht aus mangelnder Freude an der Aufgabe ab. Im Gegenteil: Noch immer hängen ihre Herzen an der Kapelle. Doch die körperlichen Anforderungen lassen sich mit über 90 Jahren nicht mehr so leicht bewältigen. Schweren Herzens haben sie sich deshalb zu diesem Schritt entschlossen.
 
Die Nachfolge übernehmen künftig Katharina und Joachim Arnold und Klara Längle. Sie treten in große Fußstapfen, dürfen sich aber zugleich auf eine Kapelle freuen, die über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg mit außergewöhnlicher Sorgfalt und viel Herzblut gepflegt wurde. Außerdem erfahren sie Unterstützung von Gabi und Karl Grundler und Irmgard Allweier.
Die vier von der Weingartenkapelle: von links nach rechts:
Annette Kroschewski, Helga Sauter, Erna Klee und Ida Schneider
 
Mit dem Abschied der vier Mesnerinnen endet nicht nur ein Ehrenamt, sondern ein Stück gelebte Dorfgemeinschaft. Ihre Arbeit, ihre Verlässlichkeit und ihre fröhlichen Treffen auf der Bank vor der Kapelle werden vielen in Erinnerung bleiben – ebenso wie die Erkenntnis, dass man mit Zusammenhalt, Kreativität und einer Dose selbstgebackener Kekse erstaunlich viel bewegen kann. Die Pfarrgemeinde Frickingen sagt auf diesem Wege ein ganz herzliches „Vergelt´s Gott!"